Ursache hierfür ist z.B. Mundatmung. Durch den Mund atmet man, wenn die Nase verstopft ist. Ein Patient mit chronisch verstopfter Nase wird manchmal über Jahre hinweg nur durch den Mund atmen, vor allem nachts. Die Folgen: Durch die Mundatmung werden nicht nur Austrocknung und Entzündung der Mundschleimhäute verursacht.
Dadurch, daß der Mund ständig geöffnet ist, lagert sich die Zunge nicht hinter die oberen Schneidezähne, sondern bleibt im Unterkiefer. Hierdurch fehlt im Oberkiefer der wachstumsfördernde Reiz. Außerdem sorgt die angespannte Wangenmuskulatur für einen ständigen zusätzlichen wachstumshemmenden Reiz auf den Oberkiefer. Durch diese Faktoren bleibt der Oberkiefer in der Entwicklung zurück.
Zu einer vollständigen kieferortho- pädischen Untersuchung gehört deshalb auch eine Prüfung der Nasendurchlässigkeit. Aus dem oben gesagten, ergibt sich als kausale Therapie eine Verbreiterung des oberen Schmalkiefers. Diese Aufdehnung, auch Gaumennaht- erweiterung genannt, kann bei Kindern konservativ vorgenommen werden. Bei Erwachsenen muß durch einen kleinen operativen Eingriff nachgeholfen werden.
Wenige Tage vor OP erfolgt das Einsetzen der Dehnapparatur durch den Kieferorthopäden.
Der Eingriff erfolgt in Allgemeinnarkose. Durch einen jeweils kurzen Schnitt (2cm) rechts und links im Mundvorhof wird der Knochen der Oberkieferbasis freigelegt. Auf beiden Seiten wird die Kieferhöhlenwand seitlich der Nase und an der hinteren Basis geschwächt. Anschließend wird intraoperativ die Dehnapparatur aktiviert bis die stabilisierenden Strukturen nachgeben. Es entsteht eine kleine Zahnlücke zwischen den Frontzähnen als Ausdruck des operativen Erfolges.
Eine Woche nach OP beginnt das selbständige, schmerzfreie Aufdehnen (0,3 - 1,0mm / Tag) durch den Patienten. Nach Beendigung der Dehnung (1 bis 3 Wochen) muß die Apparatur noch für 6-8 Wochen im Mund verbleiben, bis der Knochen seine alte Stabilität wieder erreicht hat.
Neben den funktionellen Beschwerden sehen wir beim Schmalkiefer meist auch eine ästhetische Beeinträchtigung: die "buccal corridors" oder auch "dead spaces" genannt. Sie beschreiben die "schwarzen" Dreiecke, die man beim Lachen im Mundwinkel sieht. Dabei wirken die breiten "Korridore" eher unvorteilhaft.
(A) Breite der sichtbaren Oberkiefer-Zähne
(B) Breite der inneren Kommissur
(C) Breite der äußeren Kommissur
(D) Gesichtsbreite
Durch die geringe Breite des Unterkiefers kommte es zu einer starken Verschachtelung der Unterkieferfrontzähne. Eng und schiefstehende Zähne stören den Patienten nicht nur in der Ästhetik. Engstehende Zähne erschweren die Reinigung des Mundraumes und sorgen damit für vermehrte Kariesgefahr. Die Zahnbürste kann oft nicht in die engen Nischen vordringen. Die Folge sind Plaqueansammlungen und später Erkrankungen des Zahnfleisches und des Zahnhalteapparats.
Bis zu einem gewissen Grad kann man durch Beschleifen der Zähne (stripping; bis 2mm) Platz gewinnen. Darüber hinaus kann die transversale Dehnung mit Hilfe der Distraktion behandelt werden. Wir verwenden fast ausschließlich zahngetragene Dehnapparaturen (Distraktoren), die an der Innenseite des Unterkiefers angebracht werden. Die ästhetische und funktionelle Beeinträchtigung ist nur minimal.
Die Dehnapparatur wird einige Tage vor OP durch den Kieferorthopäden eingesetzt.
Die Operation erfolgt in Allgemeinnarkose.
Ein nur wenige Millimeter großer Schnitt im Mundvorhof reicht aus. Der Knochen zwischen den beiden Frontzähnen des Unterkiefers wird bis zur Kinnspitze freigelegt und anschließend mit einen Mikrosäge geschwächt. Es entsteht lediglich eine kleine Zahnlücke zwischen den Frontzähne.
10 Tage nach OP beginnt das selbständige, schmerzfreie Aufdehnen (0,3 - 0,5mm / Tag) durch den Patienten. Die Entfernung des Distraktors erfolgt auch hier nach 10-12 Wochen.
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