Unterkieferrücklage - mandibuläre Retrognathie

Patientin mit Unterkieferrücklage kontur von Patientin mit Unterkieferrücklage

Die Unterkieferrücklage ist eine der häufigsten Dysgnathieformen. Der Laie hat meist den Eindruck, daß der Oberkiefer zu weit vor steht. Doch diese Form der Dysgnathie mit einem echten Oberkiefer-Vorstand (maxilläre Prognathie) ist sehr selten (s.u.). Die funktionellen Probleme mit "Knacken" und Schmerzen im Kiefergelenk, sowie migräneartige Kopfschmerzen und Nackenschmerzen stehen hier häufig im Vordergrund. Es kommt aber auch zu einer ästhetischen Beeinträchtigung.


typisches Gesichtsprofil bei mandibulärer Retrognatie mit starker Lippentreppe und kurzem, kräftigem Kinn

Das Operationsverfahren


Auftrennung des Knochens mit Titan-Plättchen Ziel der Operation ist es, den Unterkiefer so einzustellen, daß ein normaler Überbiß und eine Normalisierung des Profils erreicht wird. Der Eingriff erfolgt in Allgemeinnarkose. Über einen kurzen Schnitt auf Höhe der Weisheitszähne wird der Unterkieferknochen freigelegt und in Z-Form aufgetrennt. Jetzt läßt sich der zahntragende Teil wie eine Schublade bewegen und wird in die richtige Position gebracht. Die Einstellung und Sicherung der richtigen Verzahnung erfolgt mit einer Kunststoff-Schiene (splint), die auch noch nach der Operation für einige Wochen getragen werden muß.

Die Kieferteile werden durch Schrauben und Mini-Platten in dieser Stellung fixiert. Zusätzlich werden beide Kiefer in richtiger Verzahnung an den im Ober- und Unterkiefer angebrachten kieferorthopädischen Drahtbögen durch Gummizüge miteinander verbunden. Die Fixierung der Kiefer zueinander dauert in der Regel einige Wochen, wobei der splint zum Essen und Zähneputzen natürlich herausgenommen werden darf. Komplikationen sind bei diesem Eingriff selten. Der Chirurg wird Sie schon bei der ersten Beratung über mögliche Komplikationen informieren.


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Technik nach Obwegeser und Bad Homburger Methode Die klassische Methode zur Verlagerung eines Unterkiefers ist links dargestellt. Dabei wird der Kiefer auf einer grossen Strecke und vor allem im Verlauf des Unterkiefernervens (3. Trigeminusast, N. alveolaris inferior; weisser Pfeil) aufge-spalten. Dieser Nerv ist für die Sensibilität der Zähne im Unterkiefer und der Unterlippe bis zur Kinnspitze verantwortlich. Die klassische Methode erfordert zudem die Entfernung der Weisheitszähne sechs Monate vor der geplanten OP.
Bei der Bad Homburger Technik wird der Schnitt durch den Knochen extrem kurz gehalten und vom Nerv weggeführt.
Diese technisch aufwendige Neuentwicklung schont den Nerven, verhindert sichtbare Narben, reduziert die Schwellung und beschleunigt den Heilungsverlauf. Der minimal invasive Zugang erfordert jedoch Spezial-instrumentarium, 3D Titanminiplatten und sehr viel Erfahrung.


Oberkieferrücklage - maxilläre Retrognathie


Die Oberkieferrücklage gehört zu unseren zweithäufigsten Dysgnathien. Man spricht auch gerne von Progenie ('genio' lat. = Kinn), weil der Unterkiefer in Relation zu weit vorsteht. Das eigentliche Problem ist aber ein zurückliegender Oberkiefer. Die echte Progenie (Unterkiefervorstand) ist eher die Ausnahme (s.u.) Die hierdurch bedingten Folgen sind sehr vielfältig, neben der ästhetischen Beeinträchtigung kommt es durch verkehrten Überbiß der Frontzähne zu Problemen beim Abbeißen und Kauen. Auch eine Überbelastung einzelner Zähne und des Kiefergelenks kommen häufig vor.


Beispiel einer schmalen Oberlippe Beispiel Kontur einer schmalen Oberlippe
Merkmale:
  • Kinn liegt in Relation weit vorne
  • konkaves Gesichtsprofil
  • dominante Nase, ausgeprägte Nasolabialfalte
  • positive Lippentreppe (Oberlippe hinter der Unterlippe)
  • eingeschränkte Nasenatmung
  • Klasse III-Verzahnung
eine schmale Oberlippe, die im Profil hinter der Unter-lippe steht, ist typisch für die maxilläre Retrognathie

Das Operationsverfahren


Ziel der Operation ist es, den Oberkiefer so weit vorzusetzen, daß ein normaler Überbiß und eine Normalisierung des Profils mit der gewünschten ästhetischen Verbesserung erreicht wird.


Beispiel Lösung des Oberkiefers oberhalb der Zahnwurzeln Beispiel 2 Lösung des Oberkiefers oberhalb der Zahnwurzeln

Der Eingriff erfolgt in Allgemeinnarkose. Durch einen kurzen Schnitt im Mundvorhof wird der Knochen der Oberkieferbasis freigelegt und auf beiden Seiten wird die Basis des Oberkieferknochens einschließlich der Nasenscheidewand gelöst. Damit ist es möglich, den Oberkiefer nach vorne bzw. zurück und ggf. etwas höher zu setzen. Er wird in dieser Stellung durch Schrauben und Platten fixiert. Die Einstellung und Sicherung der richtigen Verzahnung erfolgt mit einer Kunststoff-Schiene (splint), die auch noch nach der Operation für einige Wochen getragen werden muß. Komplikationen sind bei diesem Eingriff selten. Der Chirurg wird Sie schon bei der ersten Beratung über mögliche Komplikationen informieren.

Lösung des Oberkiefers oberhalb der Zahnwurzeln - Fixierung mit Titan-Miniplättchen

maxilläre Prognathie


Merkmale:
  • konvexes Gesichtprofil
  • stark negative Lippentreppe
  • häufig trockene Lippen durch insuffizienten Lippenschluß
  • Klasse II-Verzahnung

Progenie - mandibulären Prognathie


Merkmale:
  • Kinn liegt in Relation sehr weit vorne
  • positive Lippentreppe (Oberlippe hinter der Unterlippe)
  • Klasse III-Verzahnung


Sonderformen: Mikrognathie


Die Mikrognathie ist eine extreme Form der Unterkieferrücklage, meist bedingt durch Infektion oder Unfall. Der Kieferkörper bleibt stark in der Entwicklung zurück. In solch ausgeprägten Fällen einer Kieferfehlentwicklung wird mit Dehnapparaturen(Distraktoren) das Knochenwachstum nachgeholt.
Das Beispiel zeigt die Behandlung mit einem von aussen angebrachten Distraktor. Die Behandlungsdauer betrug 6 Monate.

Beispiel Mikrognathie